Tipps zum Lesenlernen für Eltern & Kinder

Das Lesen lernen fällt nicht jedem Kind leicht. Während die einen quasi autodidaktisch bereits vor der Einschulung lesen können, hängen andere Kinder noch in der zweiten oder dritten Klasse beim Lesen und Schreiben hinterher. Insbesondere, wenn eine sogenannte Lese-Rechtschreib-Schwäche vorliegt, ist Sorgfalt wichtig. Kinder mit diesem Problem lesen häufig viel zu schnell, was die Sache nur noch verschlimmert. Die erste Regel lautet also: Übe mit Deinem Kind regelmäßig und konsequent, damit es irgendwann auch sagt: „Ich lese gern!“

“Ich lese gern“ ist der vielleicht wichtigste Satz beim Lesen lernen

Viele Kinder mit Leseschwäche lesen nicht gern – eben weil es ihnen schwerfällt. Die Herausforderung ist also, das Lesen interessant zu machen und dem Kind zu zeigen, wie spannend Bücher sein können. Wenn Du das konsequent durchziehst, wird auch Dein Kind irgendwann völlig von selbst sagen: „Ich bin in meinem Zimmer und lese ein Buch!“. Bis es soweit ist, dauert es in der Regel eine Weile. Selbst ohne das Vorliegen einer Lese-Rechtschreib-Schwäche ist das Lesen lernen nicht unbedingt ein Selbstläufer. Wir möchten Dir ein paar Tipps und Hinweise für sinnvolle Übungen geben, damit Dein Kind beim Lesen lernen erfolgreich ist.

Wie lange dauert es, bis Dein Kind lesen kann?

Sieht man von Ausnahmen ab, welche die Regeln sowohl nach oben als auch nach unten bestätigen, dauert es vom ersten selbst gelesenen Wort bis zum flüssigen Lesen und Schreiben in der Regel ein bis zwei Jahre. Schon bevor es in der Schule damit losgeht, kannst Du Deinem Kind helfen, Buchstaben zu erkennen und Laute zu bilden. Das Vorlesen ist elementar dafür. Das geht natürlich am besten mit guten Vorlesebüchern, die man sich gemeinsam ansieht. In solchen Büchern ist die Schrift größer und klar erkenntlich. Entsprechende Illustrationen bilden die Brücke zum Begreifen von Wort und Schrift.

Das geschriebene Wort ist schwerer zu begreifen

Ein Hauptproblem beim Lesen lernen und Schreiben ist die Diskrepanz zwischen gehörten Lauten und dem geschriebenen Wort. Sogenannte Anlauttabellen können dabei helfen, die Laute der deutschen Sprache zu vermitteln. Hierzu stehen neben jedem Buchstaben diverse Wörter, die als Beispiele dienen. Wenn Dein Kind dann selbst liest und bei einem Wort hängen bleibt, kannst Du mittels Anlaut einen Hinweis geben, wie es weitergeht.

Kleine Kinder beziehen ihren Wortschatz für das Sprechen durch Zuhören. Das Lesen lernen fängt hingegen mit dem Erkennen von Buchstaben an. Das Alphabet zu kennen, ist also der erste Schritt. Die Umwandlung der Buchstaben in Laute und miteinander verbundene Silben kommt als nächstes. Hat Dein Kind begriffen, dass Buchstaben Laute und Silben bilden, die wiederum zu Worten und Sätzen geformt werden, ist das Prinzip des Lesenlernens bereits vermittelt. Diese Form der Sprachentwicklung geht nicht über Nacht und ist sehr anspruchsvoll für ein Gehirn. Deswegen solltest Du Dein Kind natürlich nie überfordern, sondern Dich beim Lesen lernen nach seinem Tempo richten.

Wie können Eltern beim Lesen lernen besser helfen?

Es ist nicht ganz einfach für Eltern, wenn sie Kindern beim Lernen helfen möchten. Die Förderung der Lesekompetenz steht dabei an erster Stelle. Das bedeutet, nicht nur im Rahmen der Schule oder des Kindergartens bestimmte vorgegebene Bücher und Inhalte zu lesen, sondern auch außerhalb des Lehrbetriebs die Faszination am geschriebenen Wort weiterzugeben. Insbesondere zu Beginn ist das spielerische Lernen durch Magnettafeln, Magnetbuchstaben oder Kreidetafeln erfolgversprechend.

Daneben können moderne Medien ebenfalls beim Lesen lernen helfen. Auch wenn viele Eltern skeptisch gegenüber Smartphones, Tablet und Computer sind, kannst Du Schüler beim Verstehen von Wörtern und Texten unterstützen, indem Du ihnen geeignete Lernprogramme zur Verfügung stellst. Aber auch hier gilt: Gemeinsam lesen ist für ein Kind immer besser als das Lernen auf eigene Faust. Ergänzend können Fernsehprogramme wie die bewährte Sesamstraße das Verstehen von Buchstaben, Zahlen und Wörtern unterstützen. Viele Eltern, die selbst in den 70er und 80er Jahren aufgewachsen sind, verdanken ihre eigene Fähigkeit zu Lesen und zu Schreiben häufig Erni, Bert und Grobi.

Lesen lernen mit der richtigen Technik

Wenn Du Dein Kind beim Lesen lernen unterstützen möchtest, solltest Du darauf achten, die gleiche Lerntechnik einzusetzen wie in der Schule. Auch wenn die Schulmethode vielleicht nicht Deine bevorzugte Variante ist, macht es keinen Sinn, das Kind mit unterschiedlichen Ansätzen zu verwirren. Werden in der Schule also Anlauttabellen verwendet, solltest Du diese auch für das private Lesenlernen einsetzen. Gerade im privaten Haushalt ergeben sich viele Möglichkeiten, Anlauttabellen in Form von Postern ständig im Blick zu haben, damit das Kind sie automatisch verinnerlicht, ohne erst ein Buch aufschlagen zu müssen. Geeignete Plätze Anlauttabellen:

  • an der Wand gegenüber der Toilette (ja!)
  • am Kühlschrank
  • an der Tür des Kinderzimmers
  • gegenüber dem Bett des Kindes
  • als Aufkleber auf Computertastaturen, um eine Anlaut-Tastatur zu erhalten

Dies sind nur einige Beispiele, damit Du das Prinzip verstehst. Je häufiger und intensiver Dein Kind die Anlauttabellen vor Augen hat, desto einfacher fällt es ihm, die Verknüpfung von Lauten und Silben zu Worten vorzunehmen. Der Lesefluss lässt sich dadurch enorm verbessern. Achte aber darauf, dass Ihr gemeinsam übt, damit die Anlaute nicht einfach zu einem ungenutzten Wandschmuck verkommen.

Rituale: So wird ein Kind zur Leseratte

Kinder imitieren gerne. Wenn sie sehen, dass die Eltern viel und oft lesen, möchten sie das ebenso tun. Vermittle Deinem Kind die Faszination am Lesen, indem Du ein gutes Vorbild abgibst. Nebenbei kannst Du dabei vielleicht die eigene Leidenschaft am Buch wiederfinden, falls sie Dir abhandengekommen sein sollte. Beim Lesenlernen muss es übrigens längst nicht immer das „gute Buch“ sein. Dicke und umfangreiche Bücher können abschreckend wirken. Kinder fangen das Lesen vielmehr oft im Alltag an. Schilder, Etiketten, die Rückseite der Cornflakes-Packung – es gibt überall etwas zu lesen. Du musst übrigens auch keine Sorge haben, wenn Dein Kind sagt: „Ich lese lieber Comics!“. Es kommt nicht so sehr auf die Form der Lektüre an, als auf ihren Inhalt. Gute Comics, die letztlich nichts als Bildergeschichten mit Text sind, können das Lesenlernen enorm fördern.

Habe also keine Angst davor, sondern fördere das Lesen und Verstehen durch den gezielten Kauf guter und altersgerechter Comics. Überlasse Dein Kind beim Lesen und Schreiben aber nicht sich selbst, sondern integriere tägliche Rituale in das Lernsystem. Hierzu gehört das Vorlesen und gemeinsame Lesen von Kinderbüchern. Es gibt zahllose Kinderbuchreihen aus den unterschiedlichsten Genres. Finde heraus, was Dein Kind mag und lies regelmäßig entsprechende Bücher mit ihm. Auch dann, wenn das Kind schon längst selbst lesen kann, solltest Du das Ritual beibehalten, denn wenn Ihr gemeinsam über den Inhalt sprechen könnt, ist das besonders motivierend.

Klassische Lesehilfen sind sinnvoll

Über die Anlauttabelle haben wir bereits gesprochen. Aber auch klassische Unterstützung durch Silbenkarten oder spielerische Ansätze wie das Deuten auf Bilder, die das Kind einem Wort zuordnen muss, haben nach wie vor ihren Platz. Bewährt hat sich zudem die Anlaut-Geschichte. Überlege Dir eine passende Geschichte, die Du mit den Wörtern der Anlauttabelle erzählen kannst. Auf diese Weise verankert sich das Gelernte viel besser im Gehirn.

Tipp: Wenn Dein Kind Hemmungen hat, laut vorzulesen, weil es sich nicht blamieren möchte, hilft ein Aufnahmegerät. Früher hätte man den Kassettenrekorder bemüht, heute kann das Smartphone helfen. Wichtig ist, dass Dein Kind seine eigene Stimme hört und so das Vorlesen autonom üben kann, ohne sich vor Dir oder anderen Menschen zu entblößen. Denn wer Hemmungen hat, wird nur schwer den Satz über die Lippen bringen: „Ich lese gern!“