Alles über Otfried Preußler - Steckbrief & Bücher

Otfried Preußlers Kindheit in Reichenberg in Böhmen wurde begleitet von den Volksmärchen und Sagen der Region: Der Vater, seines Zeichens Lehrer und Heimatforscher, durchstreifte mit dem Jungen die Dörfer der Region, um sich die hiesigen Sagen und Märchen erzählen zu lassen. Auch seine Oma Dora spielte eine Schlüsselrolle. Ihr Buch, das es gar nicht gab, war das wichtigste seines Lebens, sagte der Kinderbuchautor einmal. Sprich: Die Geschichten, die sie alle im Kopf hatte, prägten sein ganzes Leben.

Leben und Werk von Otfried Preußler

Krieg und Heimkehr

Da Otfried Preußler Jahrgang 1923 war, machte er 1942 sein Abitur – und wurde direkt eingezogen. Wie so viele junge Männer war er zunächst geblendet von der Gemeinschaft. Erst posthum stellte sich heraus, dass der spätere Kinderbuchautor bereits im zarten Alter von 17 Jahren einen Jugendroman im Geiste der HJ verfasst hatte: 1944 erschien "Erntelager Geyer", das Preußler selbst allerdings nie mehr erwähnte. Wahrscheinlich war ihm das Frühwerk peinlich.

Was dem jungen Mann passierte, dürfte auch ausgereicht haben, um ihm heroische Verklärung der damaligen Umstände für immer auszutreiben: 1944, also als 21-Jähriger, geriet er in russische Kriegsgefangenschaft. Fünf lange Jahre dauerte sie, und der junge Mann wog zwischenzeitlich nicht mehr als 40 Kilogramm.

Nach seiner Entlassung fand er seine Familie im bayerischen Rosenheim wieder: Sie waren aus der bisherigen Heimat vertrieben worden. Zu seiner Freude war auch die Verlobte hier. Die beiden jungen Leute heirateten noch 1949.

Im ersten Beruf

Um seine Familie ernähren zu können – das Paar bekam drei Töchter –, studierte Otfried Preußler mit dem Ziel, Volksschullehrer zu werden. Neben dem Studium verdiente er sein Geld als Rad fahrender Lokalreporter und indem er Geschichten für den Kinderfunk schrieb. Nach und nach nahmen die Geschichten mehr Raum ein: Er erzählte sie schwer zu bändigenden Kindern in der Schule, und er erzählte sie seinen eigenen Kindern zu Hause.

Bis 1970 sollte Otfried Preußler zunächst als Volksschullehrer, dann als Rektor arbeiten. Danach erst entschied er sich für das Leben als freier Kinderbuchautor. Sein erstes Kinderbuch allerdings, "Der kleine Wassermann", stammt schon von 1956. Und nur ein Jahr später hatte "Die kleine Hexe" ihren ersten Auftritt. Bis zum Schritt in die Selbstständigkeit erschienen auch noch so starke Titel wie "Das kleine Gespenst" und "Räuber Hotzenplotz".

Antwort auf die Vergangenheit

Für die meisten Bücher brauchte Otfried Preußler nicht lange. Das erste Abenteuer rund um Räuber Hotzenplotz hatte er binnen dreier Monate fertiggestellt. Anders sah es mit "Krabat" aus: Die Geschichte, die auf der sorbischen Sage rund um den Jungen Krabat basiert, sah Preußler als seine eigene und die seiner Generation an: Der titelgebende Held wird zum Lehrling eines Zaubermeisters und ist zunächst fasziniert. Allerdings geht ihm nach und nach auf, dass sein Meister böse ist, und so muss er sich gegen ihn behaupten.

Das Jugendbuch ist eine Antwort auf die Vergangenheit und die Jugend im Nationalsozialismus. Der Autor kämpfte hier mit dem, was er erlebt hatte und was ihm geschehen war – die Geschichte ist seine ganz persönliche Aufarbeitung. So etwas ist nicht in einem Vierteljahr erledigt: Mit Unterbrechungen hat das Schreiben ganze zehn Jahre gedauert.

Bücher als Liebeserklärung

Die Sagen und Märchen, die Otfried Preußler als Kind so gierig aufgesogen hatte, fanden Eingang in fast all seine Bücher. Über die Wassermänner erzählte man sich in seiner Jugend in Böhmen viel, und der kleine Wassermann nimmt die lauschenden Kinder mit in die grüne Welt des Sees. Auch das kleine Gespenst aus dem Kinderbuch entstammte einer der Geschichten seiner Großmutter.

Immer mit Blick auf das Kind

Auf die Frage hin, wieso er Bücher für Kinder schreibe, antwortete Otfried Preußler, dass es ihm Spaß mache. Es gehe ihm aber auch darum, die Fantasie anzuregen. Tatsächlich aber scheint noch mehr dahinterzustecken: Die kleine Hexe erfand der Kinderbuchautor, weil seine Töchter Angst vor bösen Hexen hatten und er ihnen beweisen wollte, dass es keine mehr gibt. Gleichzeitig zeigt das Buch schon kleinen Kindern, dass man sich gegen das Böse stellen und sich zugunsten des Guten behaupten sollte.

Fairness und Güte sind wichtige Themen in Otfried Preußlers Büchern. Er zeigte den Unterschied zwischen Gut und Böse auf, verdeutlichte aber auch, dass die Probleme nicht immer ganz so fundamental sein müssen. Sein Buch "Die dumme Augustine" etwa ist eine Emanzipationsgeschichte mit Happy End: Der dumme August im Zirkus, dessen Frau gern die Hausarbeit mehr teilen und auch als Clown arbeiten würde, lacht nur verächtlich über diese Idee. Das Lachen vergeht ihm, als sie seinen Job eines Tages mit Bravour erledigt, und von da an geht es fairer zu.

Im Wandel der Zeit

Wird ein sogenannter Kinderbuch-Klassiker abgeändert, weil einige Wörter inzwischen als beleidigend oder diffamierend empfunden werden, ist der Aufschrei in der Fangemeinde meist groß: So habe der Autor oder die Autorin es doch gar nicht gemeint, damals sei das normal gewesen etc.

Was als gut gemeinte Verteidigung des jeweiligen Verfassers gemeint ist, greift in Otfried Preußlers Fall nicht: Er selbst ließ an seinen Büchern Änderungen vornehmen, wenn er das als nötig empfand. So hat er beispielsweise das Wort "Negerlein" ersetzen lassen. War es normal zu dem Moment, in dem er es schrieb, wurde es später als herabwürdigend empfunden. Grund genug für den Autor, selbst aktiv zu werden. Diese Achtsamkeit unterstreicht auch seine Aussage, dass er es gar nicht mochte, wenn Leute nicht rücksichtsvoll waren.

Otfried Preußlers 32 Kinderbücher wurden in 55 Sprachen übersetzt und insgesamt weltweit ungefähr 50 Millionen Mal verkauft. Einige Klassiker werden immer und immer wieder neu aufgelegt. Neben den Büchern schrieb er zusätzlich noch zahlreiche Geschichten, Spiele und Theaterstücke. Entsprechend findest Du hier nur eine Auswahl aus seinem umfangreichen Gesamtwerk.

Die Kinder- und Jugendbücher Otfried Preußlers

  • Der kleine Wassermann (1956)
  • Die kleine Hexe (1957)
  • Bei uns in Schilda (1958)
  • Thomas Vogelschreck (1958)
  • Der Räuber Hotzenplotz (1962)
  • Kater Mikesch (1962)
  • Das kleine Gespenst (1966)
  • Die Abenteuer des starken Wanja (1968)
  • Neues vom Räuber Hotzenplotz (1969)
  • Krabat (1971)
  • Die dumme Augustine (1972)
  • Hotzenplotz 3 (1973)
  • Das Märchen vom Einhorn (1975)
  • Die Flucht nach Ägypten (1978)
  • Pumphutt und die Bettelkinder (1981)
  • Hörbe mit dem großen Hut (1981)
  • Hörbe und sein Freund Zwottel (1983)
  • Der Engel mit der Pudelmütze (1985)
  • Herr Klingsor konnte ein bisschen zaubern (1987)
  • Zwölfe hat's geschlagen (1988)
  • Die Glocke von grünem Erz (1989)
  • Jahrmarkt in Rummelsbach (1990)
  • Lauf, Zenta, lauf! (1991)
  • Das Eselchen und der kleine Engel (1993)
  • Mein Rübezahlbuch (1993)
  • Brot für Myra (1993)
  • Die Glocke von Weihenstetten (1995)
  • Zenzi mit dem Wackelzahn (1995)
  • Das große Balladenbuch (2000)
  • Wasserschratz und Tatzenkatze (2001)
  • Wo steckt Tella? (2001)
  • Ich bin ein Geschichtenerzähler (2010)

Fazit: Sagenhafte Abenteuer für Kinder

Ist das Werk Otfried Preußlers für Kinder zu empfehlen? Auf jeden Fall! Die weite Verbreitung, die die Bücher gefunden haben, deuten schon darauf hin, dass sie etwas Besonderes sind. In vielen Fällen geht es um Kinder oder Jugendliche (beziehungsweise junge Hexen, Wassermänner oder Gespenster), die althergebrachte Regeln überschreiten, mutig zu ihrer Meinung stehen und am Ende damit recht haben.

Gleichzeitig erfahren Kinder spielerisch und nebenbei, dass das eigene Verhalten Konsequenzen hat und dass das Gutsein erstrebenswert ist. Dabei schwebt aber kein mahnender Zeigefinger in der Luft; gegenteilig verzaubern die fantasievollen Schauplätze und Geschichten die kleinen Zuhörer und Leser. Der 2013 gestorbene Kinderbuchautor wurde nicht umsonst vielfach ausgezeichnet. Wichtiger ist aber für Eltern wohl noch, dass für ihn selbst Kinder das wichtigste Publikum der Welt waren.