Alles über Erhard Dietl - Steckbrief & Bücher

Leben und Werk von Erhard Dietl

Malen, Zeichnen und Geschichten erfinden – das waren immer schon Hobbys von Erhard Dietl. Der 1953 in Regensburg geborene Kinderbuchautor hat schon in der Schule viel Zeit damit verbracht. Teilweise fanden das die karikierten Lehrer überhaupt nicht lustig – ebenso wenig, wie der Junge ihren Unterricht lustig fand. Aber zum Glück dauert die Schule ja nicht ewig.

Ab 1971 lernte Erhard Dietl in München an der Grafikerschule und studierte an der Kunstakademie. Bereits während des Studiums erstellte er Zeichnungen für verschiedene Zeitschriften und Zeitungen. Danach mehrten sich die Aufträge. Ab 1983 illustrierte der begabte Künstler dann auch Kinderbücher anderer Schriftsteller, sowohl zeitgenössischer als auch ehemaliger (also von Christine Nöstlinger bis Erich Kästner). Bis heute benutzt er ungern Computerprogramme; lieber arbeitet er mit unzähligen Schattierungen von Stiften, Papier und Aquarellfarben.

Eigene Ideen führen zu eigenen Welten

Anstatt immer nur die Werke anderer Schriftsteller mit Bildern zu versehen, dachte sich der Illustrator schließlich selbst Geschichten aus: Es war Ende der 1980er Jahre, als Erhard Dietl die Olchis erfand – grüne Wesen, die auf der Müllkippe leben, entsetzlich stinken und ein ausgesprochen schönes Leben führen. Die Idee schlug in die Kinderzimmer ein wie eine müffelnde Glücksbombe: Die junge Leserschaft konnte nicht genug von den Geschichten um die Müllwesen bekommen, die sowohl von Freiheit als auch von Geborgenheit geprägt waren.

Auch die Reihen rund um die Monsterfamilie Pumpernickel und um den rasenden Weltraumreporter Gustav Gorky zeigen, dass das Konzept des Andersartigen aufgeht: Alle Protagonisten Erhard Dietls unterscheiden sich stark von den Menschen. Gerade, dass sie Verhaltensweisen an den Tag legen, die bei Menschen verpönt sind, übt einen starken Reiz auf die junge Leserschaft aus. Tatsächlich waren Pädagogen am Anfang entsetzt von den vermeintlich zu unangemessenem Verhalten animierenden Kinderbüchern. Inzwischen sind diese Bedenken aber Schnee von gestern: Die Olchi-Bücher werden teilweise auch in der Schule verwendet.

Ein ganzes kleines Universum

Erhard Dietl ist nicht nur Kinderbuchautor, sondern auch Musikant. Und als solcher hat er seine Geschichten immer wieder einmal vertont. Sie waren im Fernsehen und im Theater zu sehen und 2021 soll ein Olchi-Film in die Kinos kommen. Zudem gibt es viele witzige und manchmal auch alberne Olchi-Artikel zu kaufen: Von Figuren über Popelknete bis zur unverzichtbaren Pupshupe ist alles zu bekommen, was das kindliche Fan-Herz begehrt.

Kinderbücher von Erhard Dietl

Als Illustrator hat Erhard Dietl mit zahlreichen Autoren zusammengearbeitet, und viele kleine Geschichten von ihm sind auch in Anthologien erschienen. Außerdem sind mehrere Bilderbuchgeschichten auch für das Fernsehen adaptiert worden, es gibt Theaterstücke und zwei Kindermuscials ("Die Olchis räumen auf" und "Der tapfere Theo") und viele weitere Werke. Daher ist dies nur eine unvollständige Auflistung der Arbeit des höchst emsigen und vielfach ausgezeichneten Autors.

Einzelne Kinderbücher

  • Papa, steh auf! (1990)
  • Der tapfere Theo (1992)
  • Wenn ich groß bin (1993)
  • Das nagelneue Pompadonium (1994)
  • Bärenstarke Weihnachten (1995)
  • Das Leben ist voll hart (2000)
  • Der Bär auf dem Seil (2002)
  • Piratengeschichten (2008)
  • Rufus Rakete und die Piratenblut-Bande (2008)
  • Vier kleine Piraten (2010)
  • Manchmal wär ich gern ein Tiger (2011)

Kinderbuchreihen

Die Olchis (1990 bis 2020)

Als die Olchis 1990 das Licht der Welt erblickten, waren die kleinen Leser sofort entzückt: Die kleinen Müllwesen dürfen alles, was Spaß macht – sie sauen sich ein und müssen nie baden, sie stinken, ohne dass es jemanden kümmert, und pupsen ist völlig normal. Außerdem gehen sie weder zur Schule noch zur Arbeit. Sie können Müll essen, ohne dass ihnen schlecht wird, und die ganze Familie hält felsenfest zusammen. Kein Wunder, dass es die Kinderbuchserie inzwischen seit drei Jahrzehnten gibt und einfach kein Ende in Sicht ist! Mit Kinderbüchern, Bilderbuchgeschichten und Erstlesebüchern gibt es inzwischen mehr als 50 Bände der liebenswert-chaotischen Olchifamilie.

Die Pumpernickel-Reihe (2009 bis 2012)

Die Monsterfamilie Pumpernickel wohnt auf einer schottischen Burgruine. Wie sie einen zweiten Sohn bekommen, der irgendwie nicht recht zur Familie zu passen scheint, was es mit dem sportlichen Karacho auf sich hat und wie das Monsterrennen ausgeht, sind die Themen der drei Bände dieser Reihe.

Gustav Gorky (2012 bis 2017)

Gustav Gorky ist ein intergalaktischer Reporter, der eigentlich nur einen Artikel über die Erde verfassen soll. Allerdings landet er im Garten der Familie Bröselmann, mit der er sich anfreundet. Chaos ist jedoch bei dem Außerirdischen vorprogrammiert, und so erlebt er spannende Abenteuer, die völlig aus dem Ruder laufen – bislang fünf an der Zahl.

Fazit: Neue Regeln mit Erhard Dietl?

Hast Du Bedenken, dass die Kinderbücher Erhard Dietls zu quatschig oder eklig sein könnten, kannst Du ganz beruhigt sein: Hinter der ganzen vorgeblichen Anarchie verbirgt sich eine ausgesprochen heile Welt. Die Kinder können über all die Absurditäten lachen, ohne böse Überraschungen erleben zu müssen. Die Bücher spiegeln eine erstrebenswerte Harmonie wider, die Kinder beruhigt und umfängt und ihnen den Raum zum Entfalten gibt. Die neuen Kinderzimmerfreunde mögen zwar stinken, aber bislang ist ja das Geruchsbuch glücklicherweise noch nicht so weit verbreitet.