Alles über Enid Blyton - Steckbrief & Bücher

Kinder, die gemeinsam Abenteuer erleben, und lustige Internatsgeschichten – bei diesen Stichpunkten fällt sofort all jenen Enid Blyton ein, die einmal etwas von ihr gelesen haben. Und die Chance ist relativ hoch: Die englische Kinderbuchautorin hat ein unglaubliches Gesamtwerk von 753 Kinderbüchern und mehr als 10.000 Kurzgeschichten geschaffen. Ihre Arbeiten wurden in über 100 Sprachen übersetzt und weltweit etwa 650 Millionen Mal verkauft. Auch heute dürfte es kaum jemandem geben, dem die "Fünf Freunde" oder "Hanni und Nanni" kein Begriff sind.

Leben und Werk von Enid Blyton: Gegen den Strom

Enid Blyton wusste schon früh, dass sie Kinderbuchautorin werden möchte. Die Eltern hätten sie lieber als Konzertpianistin gesehen, doch davon ließ sich die junge Frau nicht beirren. Sie ließ sich zunächst zur Vorschullehrerin ausbilden, doch bereits im Alter von 27 Jahren konnte sie von den Einnahmen durch ihre Bücher leben: ein außergewöhnlicher Erfolg für eine Frau, die 1897 zur Welt gekommen ist!

Mutter von Kindern und Büchern

Enid Blyton war in erster Ehe mit dem Verlagsangestellten Hugh Alexander Pollock verheiratet. Das Paar bekam die Töchter Gillian und Imogen. Da beide Eltern viel arbeiteten, kümmerten sich Kindermädchen schon früh um die beiden Mädchen. Später kamen sie in ein Internet, wie auch Enid selbst eines besucht hatte.

Die Kinderbuchautorin schrieb einmal, dass ihre Töchter immer an erster Stelle kämen – eine Behauptung, die im Nachhinein angezweifelt wird: In ihren produktivsten Phasen schrieb sie 10.000 bis 12.000 Wörter am Tag, und zwar auf einer Schreibmaschine mit zwei Fingern. Viel Zeit für Töchter und Mann kann da nicht geblieben sein. Enid Blyton selbst bezeichnete auch ihre Bücher als ihre Kinder.

Wo viel Licht, da kein Schatten?

Die Scheidung ihrer Eltern hatte Enid Blyton hart getroffen – als der geliebte Vater die Familie verließ, war das Mädchen 13 Jahre alt. Zu ihrer Mutter hatte sie später keinen Kontakt mehr. Ihr erster Gatte war alkoholabhängig, die Ehe zerrüttet. Beide Partner hatten Affären, ehe die Ehe schließlich 1942 geschieden wurde. Nichts davon drang nach außen, nichts wurde in Büchern aufgegriffen. Die Autorin zeichnete ihr Leben so, wie sie es gern sah: als Familienidyll auf "Green Hedges", dem Hof auf dem Lande, mit dem Hund Topsy und der Katze Bimbo, mit Gartenarbeit und Igelbesuch.

Enid Blytons Töchter haben unterschiedliche Erinnerungen an die Mutter. Während Gillian sie als liebevoll und gerecht schildert, war sie für die jüngere Imogen unsicher, arrogant und anmaßend. Außerdem, so erzählt die Jüngere es in ihrem Buch "Eine Kindheit in Green Hedges", sei sie gut im Verdrängen von Unangenehmem gewesen und ganz ohne Mutterinstinkt.

Schon kurz nach der Scheidung heiratete Enid Blyton 1942 den Chirurgen Kenneth Darrel Waters. Er ersetzte den Mädchen den Vater, zu dem sie keinerlei Kontakt mehr haben durften. Und auch sonst war es ein Jahr des Umbruchs: Mit dem Beginn der "Fünf Freunde"-Reihe gelang Enid der internationale Durchbruch.

Es begannen unglaublich produktive Jahre für die Kinderbuchautorin: Sie brauchte sich nur mit geschlossenen Augen im Sessel zurückzulehnen und plötzlich liefen die Geschichten in ihrem Gehirn ab, erzählte sie. Sie müsse sie nur noch aufschreiben. Und das tat sie unermüdlich. Im Jahr 1952 sind beispielsweise sagenhafte 44 Bücher von ihr erschienen – oft eines pro Woche!

Das letzte von Enid Blytons Büchern erschien 1963: Die Autorin hatte seit 1961 mit einer beginnenden Alzheimer-Erkrankung zu kämpfen. Sie starb schließlich 1968 nach einem Herzinfarkt.

Zeitgenössische und spätere Kritik

Enid Blyton musste sich zeit ihres Lebens viel Kritik zu ihrem Werk anhören: Ihre Werke seien lieblose Massenware und vielleicht sowieso von Ghostwritern erstellt (was die Kinderbuchautorin immer energisch bestritten hat). Ihre Helden seien nie alternde Stereotypen, ihre Geschichten voller Vorurteile.

Gerade im Rückblick wird die Kritik noch härter: Politische Korrektheit lassen die Kinderbücher oft vermissen. Damit beweist sich Blyton allerdings nur als Kind ihrer Zeit. 1950 ist nun einmal nicht 2020, Ansichten ändern sich und Fragen der Gleichberechtigung und der Kindererziehung haben sich in der Zwischenzeit stark entwickelt.

Allen Kritikern sei hier gesagt: Die Bücher sind nicht perfekt. Und doch darf niemand außer Acht lassen, dass die Bücher rund um den Globus von Kindern vieler Jahrzehnte heiß und innig geliebt wurden und werden. Es muss also etwas Besonderes an ihnen sein.

Kinder unter sich

Wenn Du eines oder mehrere Kinderbücher von Enid Blyton gelesen hast und Dich zurückerinnerst – wie viele Erwachsene mit großen Rollen fallen Dir ein? Kaum welche, genau. Die Kinder sind unter sich, ob das nun Anne, George, Dick und Julian sind, die zusammen mit Hund Timmy die Fünf Freunde bilden, oder die Kinder in den Internaten. Diese Autonomie und Ausschließlichkeit sind es, die auf Kinder so reizvoll wirken.

Vielleicht ist es seltsam, dass die Kinder nicht älter werden, dass sie immerzu Sommerferien haben und dass sie laufend Abenteuer erleben. Dem jungen Publikum ist das aber egal. Es liest gern etwas über die geheime Gemeinschaft der Kinder, in der Erwachsene nichts zu suchen haben. Es mag Geschichten, in denen Kinder mit ihren schlauen Tieren die Helden sind und in denen sie durch clevere Zusammenarbeit die erwachsenen Bösewichte übertrumpfen. Dass diese Erfolgsformel zeitlos ist, beweist der ungebrochene Erfolg der Kinderbuchautorin über ein halbes Jahrhundert nach ihrem Tod.

Schau genau hin beim Kauf

Ungeachtet der Kritik war Enid Blyton immer ein Garant dafür, dass die Kassen klingeln. Entsprechend wurden die Rechte vielfältig verkauft und verliehen. Das Ergebnis ist, dass längst nicht alle Bücher, die den Namen der Kinderbuchautorin tragen, auch wirklich von ihr geschrieben wurden. Von den 27 Bänden der Hanni und Nanni-Reihe, die es in Deutschland gibt, stammen zum Beispiel gerade einmal sechs von Enid Blyton selbst. Und die Bücher um Tina und Tini hat die Kinderbuchautorin sämtlich nicht geschrieben.

Auch bei den Übersetzungen wurde vieles abgeändert. Manchmal fügten die Übersetzer sogar ganze Kapitel hinzu, vor allem in den Dolly-Büchern. Teilweise sind die Änderungen sinnvoll, etwa, wenn veraltete Ausdrücke modernisiert oder drakonische Strafen wie Ohrfeigen durch zeitgemäße Maßregelungen ersetzt wurden. Andernteils kann der geneigte Leser manchmal nur mit dem Kopf schütteln, wenn er die Originale kennt und die Übersetzungen liest.

Ein ausgewählter Überblick über Enid Blytons Kinderbücher

  • Mit Enid Blyton durchs Jahr (1934)
  • Die Kinderhaus-Enid-Blyton-Reihe (1935 bis 1950)
  • Die verwegenen Vier-Reihe (1938 bis 1952)
  • Die Zirkus-Serie (1938 bis 1943)
  • Die Zauberwald-Reihe (1939 bis 1951)
  • Die Lissy-Reihe (1940 bis 1952)
  • Die Hanni und Nanni-Reihe (1941 bis 1945)
  • Die Fünf Freunde-Reihe (1942 bis 1962)
  • Die Geheimnis um…-Reihe (1943 bis 1961)
  • Die Abenteuer Reihe (1944 bis 1955)
  • Die Pimpernells-Reihe (1945 bis 1951)
  • Die Dolly-Reihe (1946 bis 1951)
  • Die Familie Langfeld-Reihe (1948 bis 1950)
  • Die Rätsel um…-Reihe (1949 bis 1961)
  • Die Noddy-Reihe (1949 bis 1963)
  • Die Schwarze Sieben-Reihe (1949 bis 1963)
  • Die Peter und Penny-Reihe (1952 bis 1960)

Fazit: Umstritten, aber ungebrochen

Enid Blytons Stil mag heute nicht jedem gefallen. Das war selbst zu ihren Lebzeiten nicht der Fall. Fragt man aber ihr jugendliches Publikum, findet es die Kinderbücher spannend und mitreißend: Wie oft spielen Kinder nach der Lektüre Internat oder erleben mit Freunden oder Geschwistern Abenteuer wie die Helden? Die Kinderbücher regen die Fantasie an und fesseln die kleinen Leser, und das ist über die Jahrzehnte hinweg ein exzellentes Qualitätsmerkmal geblieben. Und wie die Autorin selbst sagte, angesprochen auf die Kontroversen um ihre Werke: "Kritik von Leuten über zwölf interessiert mich nicht."