Die 15 beliebtesten Märchen der Gebrüder Grimm

"Es war einmal"

Auch wenn tatsächlich nur etwa 40 Prozent aller Märchen mit dieser viel zitierten Einleitungsformel beginnen, erinnert sie uns doch an das wohlige Gefühl aus Kindertagen, das wir beim gemeinsamen Lesen der berühmten Märchen der Brüder Grimm empfunden haben. Frei von Ort und Zeit vermittelt die wohl berühmteste Märchensammlung der Literaturgeschichte ein Grundverständnis von den Zusammenhängen dieser Welt: Das Gute siegt über das Böse, Arm und Reich teilen zwar nicht zwingend ein Schicksal, finden jedoch beide ihr Glück.

Über 200 Jahre alt sind die von Jacob und Wilhelm Grimm zusammengetragenen Geschichten von Königskindern, magischen Gestalten und mutigen Helden wie Rotkäppchen, Aschenputtel oder Hänsel und Gretel. Hätte das Brüderpaar aus dem hessischen Hanau diese zunächst mündlich überlieferten Erzählungen 1812 nicht in einer ersten Ausgabe schriftlich festgehalten, wären diese vielleicht längst in Vergessenheit geraten.

Von Kassel hinaus in die Welt

Früher oder später trifft jedes Kind auf die Märchenfiguren, denen die Gebrüder Grimm mit ihren 1812 und 1819 veröffentlichten Kinder- und Hausmärchen ein literarisches Denkmal setzten. Rund 200 Erzählungen trugen Wilhelm und Jacob Grimm in ihren ersten Berufsjahren in Kassel zusammen. Insgesamt 50 davon schafften es in die liebevoll illustrierte, im Jahr 1924 erschienene Kleine Ausgabe, die unser heutiges Verständnis von Grimms Märchen maßgeblich prägte. Die hier enthaltenen Klassiker wie Schneewittchen, Rapunzel und Rumpelstilzchen begeistern Kinder und Erwachsene gleichermaßen und eignen sich auch zwei Jahrhunderte nach ihrer Erstveröffentlichung noch zum Vorlesen und gemeinsam Erleben.

Zum besseren Verständnis wurden die phantastischen Geschichten immer wieder von Wilhelm Grimm und seinem Bruder überarbeitet, an die Sprache und Lesegewohnheiten des Bürgertums angepasst und laut einem Vorwort aus dem Jahr 1815 sogar als Erziehungsbuch betitelt. Davon sind wir heutzutage natürlich weit entfernt, dienen die Märchen der Gebrüder Grimm doch vielmehr der Unterhaltung und dem wohligen Gruseln vor dem Zubettgehen. Wir haben für Dich die beliebtesten und vielleicht auch schönsten Märchen der Gebrüder Grimm zusammengestellt.

Die beliebsten Märchen

1

Schneewittchen

„Weiß wie Schnee, rot wie Blut, schwarz wie Ebenholz“ – kurz nach der Geburt der schönen Königstochter Schneewittchen verstirbt die leibliche Mutter. Ihre Stiefmutter beobachtet die wachsende Schönheit Schneewittchens voller Neid. Als sie eines Tages, wie gewohnt, ihren Wahrheit sprechenden Zauberspiegel befragt, antwortet dieser nicht, wie erwartet, dass sie die Schönste im ganzen Land sei, sondern ihre verhasste Stieftochter. Sie befiehlt einem Jäger Schneewittchen im Wald zu töten. Aus Mitleid lässt er das schöne Kind ziehen. Schneewittchen erreicht das Haus der sieben Zwerge und lebt mit ihnen bis ihr böse Stiefmutter sie dort aufspürt und sie, in wechselnder Verkleidung, zu töten versucht. Mithilfe eines Apfels vergiftet, scheint Schneewittchen dem Tode geweiht, als der Sturz aus ihrem gläsernen Sarg sie vom giftigen Apfel befreit und sie lebend in die Arme ihres Prinzen sinken lässt.

2

Rotkäppchen

Von der Mutter mit Kuchen und Wein ausgestattet und mit dem Ratschlag, nicht vom Weg abzukommen, macht sich Rotkäppchen auf zur Großmutter. Auf ihrem Weg in den Wald trifft sie auf einen listigen Wolf, der sich nicht nur die Strecke bis zum Haus der Großmutter beschreiben lässt, sondern das Mädchen auch dazu verleitet, beim Blumenpflücken die Zeit zu vergessen. Der Wolf gibt sich als geliebte Enkelin aus, frisst die Großmutter und legt sich in ihr Bett. Rotkäppchen trifft verspätet am Haus der Großmutter ein, lässt sich vom Wolf täuschen und wird ebenfalls gefressen. Mithilfe eines Jägers werden Großmutter und Rotkäppchen schließlich lebend aus dem Bauch des Wolfes geborgen, der nun mit Steinen gefüllt, sein unglückliches Ende findet.

3

Hänsel und Gretel

Von den mittellosen Eltern wiederholt im tiefen Wald zurückgelassen, irren die Geschwister Hänsel und Gretel auf der Suche nach Nahrung durch das Dickicht. Statt den Weg zurück nach Hause zu finden, tappen sie in die Falle einer bösen Hexe, die mit einem Haus aus Brot, Kuchen und Zucker die Kinder anlockt. Nachdem die Lage zunächst ausweglos erscheint, gelingt es Gretel, die Hexe beim Brotbacken in den Feuerofen zu stoßen und ihren Bruder Hänsel aus seinem Verließ zu befreien. Die Geschwister füllen ihre Taschen mit den Perlen und Edelsteinen der Hexe und finden den Weg zurück nach Hause. Von ihrem reumütigen Vater erfahren sie, dass ihre missgünstige Stiefmutter in der Zwischenzeit verstorben ist. Durch die erbeuteten Reichtümern kann die Familie nun sorglos zusammenleben.

4

Dornröschen

Durch den Stich an einer Spindel erfüllt sich zum 15. Geburtstag einer Königstochter ein Fluch, der sie selbst, die gesamte Königsfamilie und den Hofstaat in einen hundertjährigen Schlaf versetzt. Erfolglos versuchen sich mehrere Prinzen an der Überwindung der todbringenden Dornenhecke bis es eines Tages, genau 100 Jahre nach Inkrafttreten des Fluchs, einem furchtlosen Königssohn gelingt, zum Schloss durchzudringen. Der Prinz findet das schlafende Dornröschen in ihrer Dachkammer und erlöst sie mit einem Kuss von ihrem Schicksal. Familie und Hofstaat erwachen, Dornröschen und ihr Prinz heiraten und finden ihr Glück.

5

Hans im Glück

Hans wird nach einer siebenjährigen Tätigkeit von seinem Meister mit einem großen Klumpen Gold entlohnt. Auf dem Weg nach Hause tauscht er das Gold zunächst gegen ein Pferd, das Pferd gegen eine Kuh, die Kuh gegen ein Schwein, das Schwein gegen eine Gans und die Gans gegen zwei Schleifsteine. Dabei schlägt er sich optimistisch und voller Hoffnung durch das Leben, findet immer das, was er gerade benötigt und sein Glück schließlich darin, sich auf dem letzten Stück des Weges der schweren Last zu entledigen und befreit zu seiner Mutter zurückzukehren.

6

Die Bremer Stadtmusikanten

Von ihren Besitzern wegen ihres Alters und nachlassender Kräfte aus dem Haus gejagt, treffen sich ein Esel, ein Hund, eine Katze und ein Hahn auf ihrem Weg nach Bremen, wo sie als Stadtmusikanten ihren Lebensabend verbringen möchten. Bei einer gemeinsamen Rast im Wald werden sie auf den Lichtschein eines nahen Räuberhauses aufmerksam. Sie nähern sich dem Haus mit seiner verführerisch gedeckten Tafel und vertreiben die Räuber, indem sie, übereinander aufgestellt ein Quartett aus Tierlauten formieren. Sie essen, was das Herz begehrt und begeben sich zur Nachtruhe. Als die Räuber zurückkehren, springt die Katze ihnen ins Gesicht, der Hund beißt zu, der Esel tritt und der Hahn ruft. Endgültig verschreckt überlassen die Räuber den tierischen Freunden ihr Quartier.

7

Aschenputtel

Von ihren niederträchtigen Stiefschwestern zur Küchenmagd degradiert, fristet Aschenputtel ihr entbehrungsreiches Leben. Als der König ein dreitägiges Fest veranstaltet, bei dem das schönste Mädchen des Balls zur zukünftigen Ehefrau des Prinzen gekürt werden soll, macht die böse Stiefmutter das aussichtlose Auslesen von Linsen und Erbsen aus einem Topf voller Asche zur Bedingung für Aschenputtels Teilnahme. Tauben und andere Vögel eilen Aschenputtel zur Hilfe und ein Baum am Grab ihrer verstorbenen Mutter schenkt ihr die schillerndsten Roben. So erobert sie das Herz des Prinzen, dem sie an zwei Abenden entkommt und der am dritten Abend ihren goldenen Schuh zurückbehält. Obwohl sich die Stiefschwestern als Trägerinnen des Schuhs ausgeben wollen, wird Aschenputtel als wahre Besitzerin identifiziert und heiratet den Königssohn.

8

Frau Holle

Zwei Töchter, eine schön, fleißig und doch ungeliebt und die andere hässlich, faul und von der Mutter bevorzugt, teilen nacheinander dasselbe Schicksal mit unterschiedlichem Ausgang. Als die fleißige Tochter nach einem Sturz in einen Brunnen in ein paradiesisches Land gelangt und auf Frau Holle trifft, offenbart sie durch ihre gewissenhafte Arbeit ihre Qualitäten und wird von Frau Holle mit einem Goldregen dafür belohnt. Reich geschmückt kehrt sie nach Hause zurück. Daraufhin wird auch die zuvor bevorzugte Tochter auf den Weg geschickt, gelangt ihrerseits durch den Brunnen zu Frau Holle, bewährt sich in ihrer Arbeit jedoch nicht. Voller Berechnung erwartet sie den Goldregen, der ihrer Schwester zu teil wurde, wird als Lohn für ihre schlechte Arbeit jedoch lediglich mit Pech übergossen.

9

Der Froschkönig

Als einer schönen Königstochter beim Spielen ihre goldene Kugel in einen tiefen Brunnen fällt, erhält sie überraschende Hilfe von einem sprechenden Frosch. Als Gegenleistung für das Tauchen nach der geliebten Kugel ringt der Frosch der Prinzessin das Versprechen ab, ihn mit sich ins Schloss zu nehmen und Seite an Seite mit ihm zu speisen und ihn in ihrem Bett schlafen zu lassen. Obwohl die Königstochter ihm diesen Wunsch zunächst verweigert, findet der Frosch am folgenden Tag den Weg zu ihr. Von ihrem Vater für das gebrochene Versprechen gerügt, gestattet die Prinzessin dem Frosch widerwillig, an ihrer Seite zu leben. Bei einer Auseinandersetzung schmettert die Königstochter den Frosch gegen eine Wand und erlöst so einen Königssohn von einem bösen Zauber.

10

Der gestiefelte Kater

Nach dem Tod eines Müllers wird dessen Erbe, die Mühle, der Esel und der Kater unter den drei Söhnen aufgeteilt. Zunächst sieht sich der dritte Sohn, dem der Kater zugesprochen wird, benachteiligt. Doch schon bald stellt sich heraus, dass ihm der mit Stiefeln ausgestattete und wie ein Mensch agierende Kater, mit seinem Geschick und seiner Überredungskunst nicht nur zu großem Reichtum, sondern auch zu gesteigertem Ansehen verhilft. Zunächst mittellos, triumphiert der dritte Sohn, wird König und ernennt den gestiefelten Kater zum ersten Minister.

Übrigens: bei Booxli kannst du dieses und andere Märchen kostenlos als Bilderbuch lesen. 

11

Das tapfere Schneiderlein

Nachdem ein einfacher Schneider sieben Fliegen erschlagen hat, näht er sich einen Gürtel mit der Aufschrift „Sieben auf einen Streich“ und macht sich auf den Weg hinaus in die Welt. Durch seine listige, bedachte Art besteht er sämtliche Prüfungen, die ihm begegnen und nimmt es scheinbar mühelos mit Riesen, Einhörnern und gefährlichen Wildschweinen auf. Von diesen Erfolgserlebnissen in seiner Selbstsicherheit und in seinem Ruf als unbesiegbarer Held bestärkt, heiratet er die Königstochter und wird selbst König über ein ganzes Reich.

12

Der Wolf und die sieben Geißlein

Bevor sich Mutter Geiß zum Futterholen auf den Weg in den Wald macht, warnt sie ihre sieben Geißlein vor dem Wolf, der sich mit rauer Stimme und schwarzen Pfoten als unliebsamer Besucher nähern könnte. Tatsächlich kommt der Wolf und verrät sich durch seine typischen Eigenschaften. Um die Geißlein schließlich doch zu täuschen, verfeinert der Wolf seine Stimme mit Kreide und lässt seine Pfoten mit Teig und Mehl verkleiden. Die Geißlein öffnen die Tür und werden bis auf das Jüngste, das sicher im Uhrenkasten versteckt überlebt, gefressen. Nach der Rückkehr der Mutter berichtet das jüngste Geißlein vom Schicksal seiner Geschwister. Mutter und Geißlein übermannen den schlafenden Wolf, befreien die unversehrten Geißlein aus seinem Bauch und füllen diesen mit Steinen. Der böse Wolf stürzt in einen Brunnen und ertrinkt.

13

Rapunzel

Eingesperrt in einen tür- und treppenlosen Turm im Wald fristet Rapunzel ihr isoliertes Leben. Allein ihre Ziehmutter, eine böse Zauberin hat mithilfe der Formel „Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter!“ Zugang zum Verließ. Der vom Gesang des Mädchens angelockte Königssohn beobachtet zufällig, dass Rapunzel auf Zuruf ihr langes Haar herablässt, erklimmt den Turm und erobert ihr Herz. Als die Zauberin von der ihr wiederstrebenden Liaison erfährt, schickt sie Rapunzel in die Wüste und lockt den Prinzen in eine Falle. Nach einem Sturz in die Dornen erblindet, irrt der von Liebeskummer gezeichnete Königssohn jahrelang durch die Fremde und findet Rapunzel mit ihren zwischenzeitlich geborenen Zwillingen schließlich wieder. Durch Rapunzels geweinte Freudentränen wird der Prinz von seiner Blindheit geheilt.

14

Tischlein deck dich

Von einer Ziege getäuscht, jagt ein Schneider seine drei Söhne aus dem Haus. Unabhängig voneinander erlernen die Brüder unterschiedliche Handwerksberufe. Nach seiner Lehre wird der Tischler mit einem Holztisch entlohnt, der sich selbst mit Tischtuch, Geschirr und den feinsten Speisen deckt. Der Müller erhält einen Gold speienden Esel, der Drechsler einen Knüppel in einem Sack. Nach und nach machen sich die Brüder auf den Nachhauseweg und legen unterwegs Rast in einem Wirtshaus ein, dessen Wirt sowohl den Tisch gegen einen gewöhnlichen Holztisch als auch den Esel gegen einen gewöhnlichen Esel austauscht. Zurück im Elternhaus werden die Brüder abermals als vermeintliche Lügner enttarnt. Erst der dritte Bruder kann mithilfe des Knüppels die ausgetauschten Wertsachen zurückgewinnen und den Frieden in der Familie wieder herstellen.

15

Rumpelstilzchen

Ein mittelloser Müller preist dem König seine Tochter mit der Behauptung an, sie könne aus Stroh Gold spinnen. An drei aufeinander folgenden Nächten sperrt der König das verzweifelte Mädchen in eine Kammer – ein namenloses Männlein eilt ihr zur Hilfe. Dafür muss sie nicht nur ihr Halsband und ihren Ring, sondern auch das Versprechen abgeben, ihr erstgeborenes Kind dem Männlein zu überlassen. Nachdem die Müllerstochter den König geheiratet und ihr erstes Kind geboren hat, kehrt das Männlein zurück und räumt der neuen Königin aus Mitleid eine dreitägige Frist ein, in der sie seinen Namen herausfinden soll. Ein Bote trägt ihr am dritten Tag den Namen Rumpelstilzchen zu. Die Königin kann ihr Kind behalten und Rumpelstilzchen reißt sich aus Wut selbst in Stücke.