Das Einschlafritual - Tipps und Tricks zum Einschlafen

Strukturen und Rituale sind wichtig für Kinder. Insbesondere Kleinkinder haben weniger Probleme beim Einschlafen, wenn sie zu regelmäßigen Zeiten ins Bett gebracht werden. Allerdings bedeuten feste Strukturen mehr als nur eine bestimmte Schlafenszeit einzuhalten. Vielmehr solltest Du dafür sorgen, dass der gesamte Tag einem mehr oder weniger festen Schema folgt, damit sich Dein Kind an Zeiten und Abläufe gewöhnen kann.

Selbstverständlich soll das nicht mit der Stechuhr kontrolliert werden. Es gibt immer Gründe und Möglichkeiten für Ausnahmen, etwa am Wochenende oder in den Ferien. Letztlich spielen auch die individuellen Schlafgewohnheiten eine große Rolle. Eine erkennbare Struktur ist jedoch bereits für ein Baby sehr wichtig.

Bücher gehören zu vielen Einschlafritualen

Bücher können eine große Hilfe bei der Einführung von Einschlafritualen spielen. Hierbei gilt, Alter und Entwicklungszustand zu berücksichtigen. Außerdem sollte der Schlaf-Wach-Rhythmus bei der Auswahl der Bücher nicht vergessen werden. Das bedeutet: Lernbücher gehören nicht ins Bett, denn sie regen den Geist und das Nachdenken eher an und erschweren das Einschlafen. Ob Baby oder Kleinkind; die Inhalte sollten auf das Einschlafen vorbereiten und das Gehirn nicht wieder auf volle Touren bringen.

Aus diesem Grund empfehlen Experten übrigens auch, auf den Einsatz der ansonsten durchaus nützlichen Smartphones und Tablets direkt vor dem Schlafengehen zu verzichten, wenn damit aufregende Filme oder Fernsehserien konsumiert werden. Ein geeignetes Hörspiel oder spezielle Einschlaf-Apps, bei denen die Beleuchtung des Displays entsprechend angepasst ist, sind hingegen durchaus sinnvoll. Wir möchten Dir einige Tipps geben, damit sich das Einschlafen für Kinder und Eltern einfacher gestaltet.

Bewährte und neue Einschlafrituale testen

Eines musst Du von vornherein wissen: Nicht jedes Kind spricht auf alle Einschlafrituale gleichmäßig an. Manches Kind kann von Beginn an problemlos einschlafen und macht bis zur Einschulung und darüber hinaus nie Probleme mit dem Ins-Bett-gehen, während sich andere zu wahren Nachteulen entwickeln, die man niemals abends um halb sieben zum Schlafen bekommt. Zwang hilft hier nicht weiter.

Ein besonders guter Rat von Psychologen ist übrigens, das Schlafengehen niemals als Strafe einzusetzen. Die früher oft übliche Drohung, dass man bei Fehlverhalten ins Bett geschickt würde, führt häufig zu negativen Assoziationen. Vermittelst Du Deinem Kind von Beginn an, dass Schlafen etwas Schönes ist, stehen die Chancen deutlich besser. Nun ist das im Alltag nicht immer zu hundert Prozent durchzuhalten. Aber als generelle Richtschnur solltest Du diesen Rat beherzigen.

Einschlafrituale sind also eine sehr individuelle Angelegenheit, bei dem das Ritual zum Kind passen muss. Stellst Du fest, dass Dein Baby überhaupt nicht darauf anspricht, versuch ein anderes. Es ist letztlich egal, ob Du altbewährte Einschlafrituale oder innovative Methoden einsetzt, solange sie funktionieren. Probier es also aus – nur selten landet man schon beim ersten Mal einen Treffer.

Der Schlaf-Wach-Rhythmus verändert sich bei Kindern

Vom Baby zum Kleinkind durchlaufen die Kleinen in kurzer Zeit viele Veränderungen. Der Schlaf ist dabei eine der größten Variablen. Zu Beginn schläft Dein Baby sehr viel und oft. Das Schlafbedürfnis und der Rhythmus ändern sich jedoch innerhalb der ersten zwei Jahre extrem – aber diese Erfahrung machen Eltern notgedrungen automatisch. Zu Beginn ist alles noch ganz einfach, da reichen nämlich das Fläschchen und die beruhigende Nähe von Mama oder Papa zum Einschlafen. Babys haben auch deshalb einen recht ungewöhnlichen Schlafrhythmus, weil sie noch nicht das nächtliche Schlafhormon Melatonin produzieren und somit Tag und Nacht nicht die entscheidende Rolle spielen. Das Einschlafritual muss also dem Kind entsprechend angepasst werden. Unabhängig von der Art des Rituals solltest Du folgende Regeln verinnerlichen:

  • Gute-Nacht-Rituale sollten ausreichend lang sein, aber auch nicht zu ausgedehnt werden. Nicht kürzer als fünf Minuten, aber auch nicht länger als eine halbe Stunde, ist ein guter Richtwert.
  • Widme Dich dem Einschlafritual ohne Wenn und Aber. Keine Ablenkungen durch Fernsehen, Anrufe oder andere Störungen. Diese Zeit gehört nur Deinem Kind.
  • Nähe ist wichtig. Ob beim Vorlesen oder dem Singen eines Schlafliedes – Dein Baby oder Kind muss sich gut und sicher aufgehoben fühlen, um loslassen zu können.

Möglichkeiten zur Gestaltung des Einschlafrituals

1

Schlaflieder

Viele Eltern mögen es nicht, ihrem Kind ein Schlaflied vorzusingen. Doch vor allem für ein Baby ist dies ein sehr gutes Ritual zum Einschlafen, weil es die vertraute Stimme von Mama oder Papa hört und die einfachen, ruhigen Melodien die Entspannung fördern. Wenn Dein Kind schon älter ist, darf es durchaus auch ein Lieblingslied anderer Art sein. Hauptsache, es gefällt den Kleinen.

2

Viel Bewegung am Tag

Kinder haben einen ausgeprägten Bewegungsdrang. Diesem sollten sie tagsüber auch ausreichend nachgehen. Können sie sich nicht am Tag ordentlich körperlich auspowern, kommt es schnell zu Problemen beim Einschlafen. Ein müdes Kind wehrt sich schlicht weniger gegen das abendliche Schlafengehen. Wenn Wetter und Umstände es erlauben, solltest Du mit Deinem Baby übrigens nach Möglichkeit immer nach draußen gehen – denn die frische Luft macht besser müde als die Zimmerluft. Regen ist aber keine Ausrede, um sich tagsüber nicht körperlich in der Wohnung zu betätigen.

3

Gute-Nacht-Rituale am Abend frühzeitig einleiten

Einschlafrituale beginnen nicht erst mit dem Ins-Bett-gehen. Schon am frühen Abend beginnen die Gute-Nacht-Rituale zu wirken. Hier sind wir wieder bei der geordneten und regelmäßigen Struktur. Im Familienkreis zu festen Zeiten das Abendessen einzunehmen, ist ein Baustein. Gemeinsam das Sandmännchen oder eine andere geeignete Kindersendung anzusehen, ein anderer. Und auch das abendliche Zähneputzen und Schlüpfen in den Schlafanzug sollten zu festen Zeiten passieren. Aufs Klo gehen nicht vergessen – denn eine Schlafunterbrechung deswegen ist immer schlecht. Wenn Du Deinem Kind diese Struktur schon früh vermittelst, stellt es sich automatisch auf die Schlafenszeit in der Nacht ein.

4

Mit dem Baby im Bad planschen

Ein Baby hat natürlich noch nicht die gleichen Möglichkeiten, sich tagsüber körperlich auszupowern wie ein älteres Kind. Trotzdem kannst Du dein Baby auch physisch auf das Einschlafen vorbereiten – mit einem abendlichen Bad. Zum einen hilft das warme Badewasser dabei, sich zu entspannen (ein Tipp, der auch manchen Eltern schon geholfen hat). Zum anderen macht es so richtig schön müde und obendrein Spaß, mit den Eltern ein bisschen zu planschen.

5

Dazulegen, bis das Baby eingeschlafen ist

Wenn Dein Kind Probleme mit dem Einschlafen hat, hilft körperliche Nähe oft besonders gut. Leg Dich also einfach mal ein paar Minuten dazu, bis es eingeschlafen ist. Allerdings schlafen manche Eltern besser ein als das Kind – von daher nicht ärgern, wenn Du deswegen die Tagesschau versäumst.

6

Gute-Nacht-sagen nicht vergessen!

Es erscheint banal, aber schon Deinem Baby solltest Du immer sorgfältig eine gute Nacht wünschen. Kinder fühlen sich dabei aufgrund Deiner Nähe und Stimme sehr geborgen. Übrigens wirkt das noch besser, wenn Du stets den Namen laut aussprichst. Namen haben eine besondere Macht über uns und machen alles persönlicher. Natürlich darf auch ein Gute-Nacht-Kuss dabei sein – wenn Dein Kind das mag. Gerade ältere Kinder fühlen sich für so etwas oft schon zu erwachsen. Aber das Kuscheltier darf auch bei den Älteren immer noch mit ins Bett.

7

Nachtlichter können beruhigend wirken

Ab einem Alter von etwa zwei Jahren bekommen manche Kinder Schwierigkeiten mit der Dunkelheit. Schatten werden in der Nacht als bedrohlich wahrgenommen, vielleicht sitzt ja auch ein Monster in der Ecke. Nachtlichter sind hier eine gute Alternative. Moderne Leuchten können beruhigende Farben und Muster projizieren, die nicht vom Schlafen abhalten. Ältere Kinder, die keine Nachtlichter mehr wollen, schlafen oft besser, wenn die Tür einen Spalt offenbleibt und noch etwas Licht aus dem Flur ins Zimmer fällt.

8

Vorlesen und Selberlesen

Das wichtigste Einschlafritual kommt wie immer zum Schluss: Geschichten erzählen oder vorlesen. Beim Baby und Kleinkind gehört das einfach dazu. Je älter die Kinder sind, desto mehr kannst Du sie aktiv einbeziehen. Im Vorschul- oder Grundschulalter können sie dann auch schon selbst mitlesen – und bei Bilderbüchern ist gemeinsames Blättern sowieso angesagt. Die Inhalte kannst Du frei nach den Interessen und Vorlieben Deines Kindes wählen, achte aber darauf, dass sie nicht vom Schlafen abhalten.

Vor allem kleinere Kinder lieben Wiederholungen – erzähle also gerne immer wieder die gleiche Geschichte. Das erleichtert es ihnen, die Inhalte zu verinnerlichen und zu verstehen. Außerdem dient auch das als Ritual, denn das Kind kann einschätzen, dass die Geschichte die Reise ins Traumland einläutet. Wie schon beim Vorsingen gilt: Keine Angst vor Blamage. Kleinkinder lieben es, wenn Du Stimmen nachmachst und die Figuren lebensecht darstellst. Achte jedoch darauf, immer die gleichen Stimmen zu verwenden, denn Fehler bemerken die kleinen Zuhörer auf jeden Fall.