Alles über Ali Mitgutsch - Steckbrief & Bücher

Ali Mitgutsch wird 1935 in München geboren und gut bayerisch auf den Namen "Alfons" getauft. Wenn er jedoch abgerissen und schmutzig vom Spielen heimkehrte, pflegte seine Mutter zu sagen, er sehe aus wie Ali Baba, und so blieb der Name hängen. Sein ganzes Leben lang hat der "Vater der Wimmelbücher" sich seine Fantasie aus Kindertagen bewahrt – ein Grund, weshalb seine Werke langfristig Anklang bei den ganz Kleinen finden.

Leben und Werk von Ali Mitgutsch

Eine schwierige Kindheit

Im Krieg musste Ali Mitgutschs Familie München verlassen; den größten Teil der Zeit ging der Junge im Allgäu in eine Dorfschule. Hier wurde er mit Billigung des Lehrers schikaniert und verprügelt. Kein Wunder, dass er sich in eine Fantasiewelt zurückzog und sich an imaginäre Freunde hielt, mit denen er erdachte Abenteuer erlebte. Auch die Rückkehr nach München war eine Enttäuschung: Die Stadt war zerstört, die Kinder hartgesottene Kerle, der ältere Bruder gefallen in Russland.

Ein Lichtblick in der Jugend Ali Mitgutschs war schließlich die Fahrt auf dem Riesenrad, als es wieder Volksfeste gab: Der Blick von oben auf unzählige Alltagsszenen und lebendiges Gewimmel sollte den Jungen nie wieder loslassen. Als er älter wurde, begann er, wirkliche Abenteuer zu erleben – er ging auf Reisen. Annähernd zwei Jahrzehnte über war er jedes Jahr etwa drei Monate lang unterwegs, um fremde Länder und Menschen kennenzulernen. Die Andenken hängen als fröhliches Durcheinander in seinem Atelier.

Nach der Schule absolvierte Ali Mitgutsch eine Ausbildung zum Lithografen, ehe er die grafische Akademie in München besuchte. Er war als freier Grafiker tätig, als in den 1960er Jahren der Kinderpsychologe Kurt Seelmann sagte, er wünsche sich ein Bilderbuch, dass die Kinder immer und immer wieder anschauen können. Mitgutsch begann zu zeichnen und füllte große Flächen mit vielen kleinen Alltagsszenen. Die Veröffentlichung von "Rundherum in meiner Stadt" 1968 war die Geburtsstunde der Wimmelbücher.

Richtig viel Wind von vorne? Macht nichts

Es gab eine ganze Reihe Menschen, die an den Wimmelbüchern etwas auszusetzen hätte. Sie seien viel zu komplex für kleine Kinder, beanstandeten die Psychologen. Sie dürften nicht so sehr die heile Welt zeigen, forderten die Soziologen. Die Bände seien für den Buchhandel zu großformatig und würden sich nicht verkaufen lassen, warnten die Buchhändler.

Ali Mitgutsch ließ sich nicht beirren: Er entwarf immer weitere Bücher (rund 70 insgesamt), die er als Fenster in eine eigene Welt betrachtete. Der Betrachter sieht die vielen Szenen immer von schräg oben, und alle Szenen, vorne wie hinten, haben die gleiche Größe. Sein Publikum dankt es ihm: Die neue Gattung von Bilderbüchern wird rasend schnell sehr beliebt; allein in Deutschland werden über fünf Millionen Exemplare verkauft. Kinder versinken lange in der Betrachtung der Bilder, dankbare Eltern kaufen jeden neuen Band. Inzwischen hat sich auch die Meinung der erwachsenen Fachleute geändert: Der Autor wurde vielfach ausgezeichnet und trägt das Bundesverdienstkreuz.

Der junge Geist

Ali Mitgutsch erzählte, dass er sich genau an das erinnern kann, was er als Kind spannend, interessant oder gruselig gefunden hat. Gruselig beispielsweise waren die Heiligengeschichten, die seine Mutter fantasievoll und inbrünstig erzählte. Spannend und interessant hingegen waren viele Alltagssituationen, die man beobachten konnte: Wie würden sie ausgehen? Diese Frage können sich alle Kinder stellen, die seine Wimmelbücher betrachten. Der Illustrator weist selbst darauf hin, dass man auch gemeinsam die abgebildeten Situationen weiterspinnen kann.

Manche Protagonisten sind in mehreren Büchern zu sehen, der meckernde Alte etwa oder auch (was für ein Tabubruch, der die Kinder entzückt!) der pinkelnde Junge. Dennoch geht der Kinderbuchautor nie ohne Block und Stift aus dem Haus, um im Bedarfsfall Notizen und Skizzen machen zu können. Die Welt hört schließlich nie auf, neue Ideen zu liefern.

Eine Auswahl der Bilder- und Wimmelbücher von Ali Mitgutsch

  • Pepes Hut (1959)
  • Ulus abenteuerliche Reise (1960)
  • Nico findet einen Schatz (1961)
  • Der Kraxenflori (1963)
  • Rundherum in meiner Stadt (1968)
  • Die Hexe und die sieben Fexe (1970)
  • Bei uns im Dorf (1970)
  • Komm mit ans Wasser (1971)
  • Vom Baum zum Tisch (1971)
  • Wir bauen ein Haus (1971)
  • Rund ums Rad (1975)
  • Vom Kakao zur Schokolade (1975)
  • Rund ums Schiff (1977)
  • Hier in den Bergen (1979)
  • Wir spielen Abenteuer (1983)
  • Unsere große Stadt (1988)
  • Meine Seeräuberinsel (1989)
  • Zwiggel, der Zwerg (1996)
  • Das große Piraten-Wimmel-Buch (2004)
  • Mein Wimmel-Bilderbuch (2007)
  • Mein riesengroßes Wimmel-Suchbuch (2010)
  • Mein schönstes Wimmel-Bilderbuch (2010)

Fazit: Jedes Buch von Ali Mitgutsch ist eine Schatzkiste

Hast Du Kinder im Alter von einem Jahr bis ins Vorschulalter, werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit viel Freude an den Wimmelbüchern haben. Auf jeder Doppelseite sind bis zu 100 kleine Einzelsituationen zu entdecken. Es passiert also wahnsinnig viel, sodass jedes Anschauen spannend bleibt. Die Situationen sind lustig, alltäglich, manchmal etwas schwierig – aber es gibt keine, die sich nicht positiv auflösen lässt. Das ist dem Autor wichtig: Kinder bräuchten zwar keine komplett heile Welt, aber immer die Hoffnung darauf, dass zuletzt alles gut werden wird.